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Reclaim the world!

Fahrradaktion für eine bessere Welt ohne G20

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Our Englisch translation is still in progress, sorry for the inconvenience... :-(
Our target release date is 2017/06/15.

Strategie-FAQ

Wieso liegt euer Fokus so stark auf den Alternativen zur neoliberalen Weltordnung? Ist es nicht viel wichtiger, erst gegen G20 zu kämpfen, als sich direkt mit möglichen Alternativen zu beschäftigen?

Nein, denn wir glauben, dass das wesentliche Problem in dem Gefühl der Ohnmacht vieler Menschen liegt. Viele Menschen halten eine andere Wirtschaftsform als den Kapitalismus oder ein anderes Gesellschaftsbild als das neoliberale für unmöglich. Die aktuelle Weltordnung wird in den Medien in der Regel subtil aber wirksam als alternativlos dargestellt. Dadurch wird den Menschen ein Weltbild auferlegt, das suggeriert, das neoliberale System, in dem wir zurzeit leben, sei unumstößlich. Den meisten Leuten fehlt also schlicht und einfach ein Bewusstsein dafür, dass dieses System nicht in Stein gemeißelt, sondern durchaus veränderlich ist.

Deshalb wollen wir positive Denkanstöße geben und zeigen, dass die Situation keineswegs so aussichtslos ist, wie uns glaubhaft gemacht werden soll. Damit unsere Idee einer gerechteren Welt verwirklicht werden kann, müssen wir möglichst viele Menschen mobilisieren. Wenn wir tatsächlich etwas verändern wollen, reicht es also nicht aus, lediglich auf die Probleme hinzuweisen. Die eigentliche Lösung liegt in der Beleuchtung der Alternativen als Leitfaden für die Gestaltung einer besseren Welt.

Mit so wenig Leuten bringt das doch eh alles nichts...

Natürlich werden wir allein durch die Fahrradaktion den G20-Gipfel und dessen neoliberale Politik nicht auflösen können. Wir sehen uns aber als Teil der großen Protestbewegung, die ihre volle Kraft bei der Großdemonstration am 8. Juli bündeln wird. Außerdem geht es darum, über die Problematik des G20-Gipfels an sich und dessen Politik aufzuklären und unsere Forderungen weiter zu verbreiten. Und wie schon an andere Stelle geschrieben: Wenn wir nicht damit anfangen – ja, wer soll denn dann den Anstoß dafür geben, die Utopie zu Realität werden zu lassen?

Ihr habt noch nicht mal einen Facebook-Account?

Korrekt. Und zwar aus vielen guten Gründen. Wenn Facebook es Unternehmen ermöglicht, Jugendliche in emotional labilen Phasen gezielt auszunutzen; wenn Facebook Videos von Polizeigewalt bei "Black Lives Matters"-Demos sperrt; wenn Facebook weltberühmte Pressephotos, die die Brutalität der Napalm-Angriffe im Vietnamkrieg zeigen, als "Kinderpornographie" zensiert, dann sind wir nicht bereit, dieses Unternehmen zu unterstützen. Das Argument, das sei aber heute doch notwendig, lassen wir nicht gelten: Der Druck, Facebook und Co. zu nutzen, erfolgt gerade durch die, die meinen, dies als einzige Informationsquelle nutzen zu müssen. Wir machen da nicht mit.

Wieso kommt ihr schon am 4. Juli in Hamburg an?

Wir kommen schon am 4. Juli in Hamburg an, um dort den Auftakt vor den großen kommenden Aktionen zu geben und allen Mitfahrenden die Möglichkeit zu bieten, daran teilzunehmen. Zum Beispiel können wir gemeinsam im solidarischen G20-Protest-Camp übernachten.

Berücksichtigt ihr eure Vorstellungen für eine bessere Welt auch bei der Aktionsplanung?

Defintiv, wir sind überzeugt davon, dass das richtig ist, und dass das Vorleben von Alternativen Leute am besten überzeugen kann.

Zum Beispiel...

  • ...treffen wir alle wichtigen Entscheidungen im Team im Konsens.
  • ...fahren wir ressourcendschonend Fahrrad, und rufen dazu auf, zum Startpunkt mit der Bahn zu fahren, falls ein längerer Weg zurückgelegt werden muss.
  • ...versuchen wir, möglichst mit geretteten Lebensmitteln (die ansonsten weggeworfen wären) zu kochen.
  • ...betreiben wir unsere Webseite bei einem kleinen engagierten Betreiber, der anonyme Anmeldung erlaubt und bei dem man sich den Preis aussuchen darf.
  • ...drucken wir Materialien auf Recylingpapier.
  • ...sind unsere Aktions-T-Shirts aus Bio-Baumwolle, fair gehandelt und mit erneuerbaren Energien hergestellt.

Natürlich sind auch wir weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber zumindest die ersten Schritte können wir tun.

Widerspricht es nicht euren eigenen Grundsätzen, bei der Demo in Hamburg mitzumachen, wo doch in den Medien schon vor der hohen Gewaltbereitschaft/den ganzen gewaltbereiten Linksextremisten/... gewarnt wurde?

Es ist richtig, das wir absolut gewaltlos agieren. Wir glauben nicht, dass man die globale Brutalität des Neoliberalismus durch eigene Gewalt bekämpfen kann, sondern wollen friedlich unseren Protest ausüben. Mit den Worten von Martin Luther King: "Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben. – Nur Licht kann das. // Hass kann Hass nicht vertreiben. – Nur Liebe kann das."

Und ganz ernsthaft: Die weit überwiegende Mehrheit aller Aktivisten werden das ganz genauso sehen. Manche halten zivilen Ungehorsam für notwendig, andere halten legalen Protest für sinnvoller – aber wir halten es für absurd, dass ein Teil der Protestler irgendwelchen Gewaltphantasien nachhängen würde.

Der rot-grüne Koalition in Hamburg scheint allerdings die Strategie zu verfolgen, möglichst viele Menschen einzuschüchtern, um die Demonstration kleinzuhalten. Dazu passt, dass von Seiten der Polizei ein aggressives Vorgehen geplant zu sein scheint, der Staat geradzu ein Interesse an Eskalation zu haben scheint, um die Proteste zu deligitimieren. Leider springen gerade in Hamburg viele Medien auf diesen Zug auf, und übernehmen die Gruselvorstellungen des Senats, anstatt unabhängig zu recherchieren.

Also: Die »8000 gewaltbereiten Linksextremisten« sind aufgebauschte Angstmacherei, um Leute vom friedlichen Demonstrieren abzuhalten. Wir hoffen, du fällst nicht darauf herein!

Als progressive Gruppe gendert mensch heutzutage, um zu betonen, dass wirklich alle Menschen gemeint sind. Warum ihr nicht?

Aus ganz verschiedenen Gründen. Nur zwei Denkanstöße: Eine Formulierung wie Aktivist*innen betont ja sogar noch die verschiedenen Geschlechter, im Gegensatz zur grammatikalisch eigentlich geschlechtsneutralen Form Aktivisten; das Geschlecht eines Menschen ist jedoch meist völlig egal, und sollte aus unserer Sicht ebensowenig wie Hautfarbe oder Nationalität in den Vordergrund gerückt werden. Und: Der Versuch, Sprache zu manipulieren, um die Wirklichkeit zu verändern, hat für einige von uns etwas von orwellschem Neusprech, auch wenn ein guter Zweck beabsichtigt zu sein scheint.

Wir haben durchaus verschiedene Meinungen zu diesem Thema, schon alleine deshalb bleiben wir bei der grammatikalisch regelkonformen Form. Nicht zuletzt sollen unsere Texte möglichst klar formuliert, für alle Menschen verständlich und auch querlesbar sein, das ist bei Sternchen und falschen Partizipkonstruktionen etc. aus unser Sicht nicht gegeben.

Es dürfte selbstverständlich sein, dass wir natürlich alle Menschen völlig unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung, Nationalität, Hautfarbe, Religion oder Musikgeschmack ansprechen. Na gut, beim Musikgeschmack könnten es etwas kritisch werden, aber ansonsten...

Also, lass uns doch auf eine Gesellschaft hinarbeiten, in der Hautfarbe, Nationalität, Religion, Geschlecht und sexuelle Orientierung irrelevant werden, wenn sie irrelevant sind – und nicht auf eine Gesellschaft, die durch konstante Wiederholung diese Eigenschaften betont.

Eure Radtour findet während der Protestwelle am 2. Juli statt...

Dessen sind wir uns sehr wohl bewusst! Im Gegensatz zu uns fordert die Protestwelle lediglich eine andere Politik der G20, sieht den Zusammenschluss und den Gipfel aber als Teil der Lösung. Für uns sind die G20 hingegen ein großer Teil des Problems. Denn die eigentliche Problematik liegt im Zusammenschluss von illegitimen Machthabern aus nur 20 Staaten als Entscheidungsträger der gesamten Weltpolitik, wodurch Staaten, die schon jetzt von den Auswirkungen der zu behandelnden Probleme betroffen sind (wie die Malediven vom Klimawandel), vollkommen ausgeschlossen werden!

Das Argument der Protestwelle, die G20-Staaten seien ja für viele globale Probleme verantwortlich, deshalb müssten sie sie auch selbst verantworten, wie diese zu lösen sind, ist absurd – in etwa so, als würde man ausschließlich Reiche entscheiden lassen, ob sie zur Finanzierung von Sozialhilfe beitragen möchten.

Es ist uns auch wichtig ein gemeinsames Zeichen zu setzten und uns nicht, wie leider viele größere NGOs, von den Hauptprotesten abzuspalten. Dadurch erreicht man nur, dass die Proteste in viele kleine Teildemonstrationen zerfallen und an Aussagekraft verlieren.

Deshalb wollen wir stattdessen gemeinsam bei der Großdemonstration am 8. Juli, bei der praktisch alle gesellschaftlichen Gruppierungen von Globalisierungskritikern, Gewerkschaften, Umweltorganisationen, Flüchtlingsräte bis hin zu kirchlichen Gruppen vertreten sind, gegen die G20 als wirtschaftspolitisch priviligierte Staaten protestieren, und rufen auch zu dieser Demo auf!

Wir sehen daher keinen Sinn, terminlich auf die Protestwelle Rücksicht zu nehmen, und halten diese auch nicht wirklich für Teil des übergreifenden Widerstands gegen G20.